Bernstein-Zeit Wie du echten Bernstein an der Ostsee findest

Einzigartige Strandfunde sind als Souvenir aus dem Ostseeurlaub ein Muss. Wie schön wäre es, wenn sich darunter auch ein echter Bernstein befände? Im Herbst und Winter stehen die Chancen dafür gar nicht so schlecht! Mit diesem Insiderwissen kommst du dem „Gold des Meeres“ garantiert auf die Spur...

von Dominique Apeitos dos Santos

Bernstein in Ahrenshoop
Wie strahlendes Gold: Die Küste von Fischland-Darß-Zingst ist bekannt für ihr hohes Bernsteinvorkommen, © shutterstock "hjochen"

Wer schon mal Urlaub an der Ostsee gemacht hat, der weiß, wie viel Freude es macht, den Strand nach angespülten Schätzen zu durchkämmen. Etwas Schönes findet man dabei immer. Doch wenn es um Bernstein geht, haben nur wenige Sucher echten Erfolg. Kein Wunder, denn hierbei kommt es gleich auf mehrere Bedingungen an:

Der richtige Ort

Die Ostseeküste, und zwar von Usedom über den Darß bis nach Poel, ist zum Bernstein-Sammeln wie geschaffen. Ein besonders hohes Vorkommen gibt es an der Westküste des Darß auf der Höhe von Prerow. Hier wurde vor einigen Jahren sogar ein etwa 2,5 kg schweres Exemplar gefunden, das du heute im Prerower Bernsteinmuseum bestaunen kannst.

Die ideale Zeit

Damit ein Bernstein von den Wellen an Land getragen werden kann, braucht er salziges Wasser mit einer Kälte von 4 Grad Celsius. Dieses Wasser hat nämlich ungefähr seine dichte, sodass er sich darin fast schwebend mitbewegt und vom Meeresgrund weggetragen wird. Bei uns an der Ostseeküste erreicht das Wasser ab Ende Oktober diese Temperatur.

Das passende Wetter

Wenn es windstill ist, sieht es mit Bernstein schlecht aus, denn damit neue Strandfunde an Land gespült werden können, braucht es das typisch norddeutsche „büschn Wind“ mit ordentlich auflandigem Wellengang, der den Meeresgrund aufwirbelt. Die beste Zeit zum Suchen ist daher gerade dann, wenn man lieber drin bleiben würde – oder direkt nach dem Sturm, wenn die Sonne wieder hervorlugt. Mit etwas Glück glitzern dir dann die Bernsteine am Strand schon von Weitem auffällig entgegen.

Die typischen Fundstellen

Bernstein-Fischer an der Ostsee
Mit einem Kescher hat man oft mehr Glück, denn Bernstein sammelt sich eher im Wasser als an Land, © shutterstock "Nerijus Jasudas"

Um Bernstein zu entdecken, hilft es, sich an Pflanzenteilen und Schwemmgut mit ähnlicher Dichte zu orientieren. Gerne schwimmt Bernstein zum Beispiel zusammen mit altem Sprockholz. Aber auch zwischen Seetang und Seegras verfängt sich der leuchtend gelbe Schatz oft. Meist lagert sich so leichtes Material bei Sturm nicht zwischen Steinen ab, sondern wesentlich weiter oben, an den Spülsäumen. Nur etwa 5 % des deutschen Bernsteinvorkommens schaffen es aber tatsächlich ins Trockene. Viel größeren Erfolg verspricht eine Wanderung durch das seichte Wasser am Ufer. Erfahrene Sammler nehmen deshalb gerne einen Kescher mit an den Strand und fischen sich ihren Bernstein-Schatz direkt aus dem Meer.

Vorsicht vor Phosphor-Resten!

Seit Jahren sorgen immer wieder außergewöhnliche Strandfunde für Schlagzeilen: Bernsteine, die sich plötzlich selbst entzünden und Verbrennungen verursachen. Tatsächlich handelt es sich bei den brennenden Materialien aber nicht um Bernstein, sondern um Weißen Phosphor aus alten Munitionsresten. Dieser sieht Bernstein zum Verwechseln ähnlich, ist aber hochgiftig und entzündet sich im trockenen Zustand auf Temperaturen von bis zu 1.300 Grad.

Schützen kannst du dich vor dieser gefährlichen Täuschung ganz leicht: Stecke gefundene Bernsteine nicht in die Hosen- oder Jackentasche, sondern in ein mit Wasser gefülltes Marmeladenglas oder in einen Beutel, den du im Brandfall schnell wegwerfen kannst. Zuhause angekommen, trocknest du die gefundenen Stücke dann auf einer feuerfesten Unterlage oder im Freien. Wenn alle Stücke trocken sind, kannst du sicher sein, dass du es nicht mit Phosphor zu tun hast.

Woran erkennt man Bernstein?

Bernstein zwischen angeschwemmtem Holz und Algen
Leuchtet einem förmlich entgegen: Bernstein hat durch seine geringe Dichte einen besonderen Schimmer, © shutterstock "Mikhail Leontyev"

Im Gegensatz zu echten Steinen ist Bernstein sehr leicht und glänzt in der Sonne. Rohbernstein ist häufig bräunlich bis honiggelb, manchmal auch weißlich, hellgelb oder rötlich. Wenn du sichergehen möchtest, dass deine gesammelten Steine wirklich Bernsteine sind und nicht etwa Doppelgänger aus eisenhaltigem Quarz-Geröll, kannst du nach der oben beschriebenen Trocknung ein paar einfache Tests durchführen.

Mach zum Beispiel den Salzwasser-Test: Bis zu einem Esslöffel Salz in einem Trinkgefäß mit Wasser genügen, damit der Bernstein oben schwimmt. Zu den Eigenschaften von Bernstein gehört auch, dass er sich elektrostatisch aufladen kann. Reibst du den Stein über ein Wolltuch, sollte er also kleine Papierschnipsel o.ä. anziehen. Außerdem sind Baumharze brennbar. Wenn du Bernstein vorsichtig mit einem Feuerzeug anbrennst oder – etwas schonender – an eine erhitzte Messerspitze hältst, kannst du also den unverwechselbaren Geruch von Harz feststellen.

Mit diesen Tipps bist du bestens gewappnet für die nächste Bernsteinsuche und einem reichen Fund steht nichts mehr im Wege!

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